Programm

Hallo

LAND IN SICHT

Wenn es ihn noch gibt, ist Düdingen einer der Orte, wo man sich noch aus dem Nichts erfinden kann. Der Bahnhof hätte etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Er wirkt halt wie ein Zwischenfall. Eintagsfliegen fallen auf. Sneakers als wären sie vom Orthopäden verschrieben auch. Das hat Charme. Und ist divers oder effizient. Die Sehnsucht zeigt in eine Richtung. Ununterbrochen und planlos im Schwarm über eine mächtige Unruhe spazieren, philosophieren, Breite mit Länge und Höhe multiplizieren, in Räume denken, so verliere ich so gerne wie sonst nie und nirgends. Zu gewinnen gibt es nichts. Grüessech. Die Scheintoten sind virtuell, Gina bleibt, sie bellt über was ihr gefällt, der Hühnervogel ist greifbar nahe und hat sie nicht alle. Anders sein ist edel. Die Ekstase fühlt sich wohl oder übel wohl. Wir wünschen uns dreitägige Ausbrüche davon. Der Sinn unserer Arbeit ist mit der Entscheidung wo wir unsere Zeit verbringen verbunden. Mit der Jugend macht es Spass.

Einsprache innert dreissig Jahren. Sonst drehen wir noch eine Runde durch und weiter. Und bedienen Zombies. Die Snobs von jetzt.


WEB DAMIT

Die Kilbi ist wie ein Hologramm. Ein Tauchgang in eine Galaxie aus Licht und Klang. Aus dieser dreiflächigen virtuellen Welt, die man in Realität auf der Webseite erlebt, taucht man auf, macht einen Sprung oder eine Pirouette und ist mittendrin.

Es spielt keine Rolle wie man ist oder was man trägt. Die Kilbi nimmt den Menschen unters Mikroskop. Was erzählt, ist das Phänomen, das Individuum und die menschliche Substanz und deren Realität. Wir lieben. Leben. Und haben Haltung!

Ein bisschen Verzögerung kann viel verändern, immer ein bisschen zu spät wird lässig, ständig lebendig. Dran- und in Bewegung bleiben, Trance Explosionen nachahmen. Im selben Kreis zu Synthpop Grooves davonschweben, wo Twerking Moves sich wie Berge erheben. Das Fest beginnt mit Postpunk, dauert immer noch, und am Schluss ist er wieder da, in der Bar, zum Beispiel am ersten Morgen danach, im Dj Ping Pong zwischen Actress und Debonair. Die Sonne geht auf. Es fühlt sich gut an.


1D

Zahlen, Abkürzungen. Wir kommen nicht immer draus. Es gibt Vimeoentscheide und immer wieder hören, um unterschiedlichste Musik zu mögen. Los geht’s! Im Yo Ga Tempo. Laute Versprecher, Töne die wirklich so klingen müssen, aus allen möglichen und verfügbaren Boxen. Rehe verzieht euch, Der Kassel Jaeger ist an den Drehern, und schiesst zwar feine, aber allerhand komische Geräusche über die Felder. Es ist Lautsprecher Orchester Freiburg Zeit.

Die Party ist eröffnet, wenn die Bulgaren es von den Bühnen pfeifen. Die Herzen, die dem Rhythmus zur Feier der Zeit des Samir Kurtov Trios folgen mögen, werden das Fest überleben und irgendwann, irgendwie, irgendwo heiraten.

Von Anfang an und für immer macht sie wilde gute Laune. 070 SHAKE feuert düsteren und explosiven Rap mit fetten Beats in den Moshpit. Seid ihr so frei? Sie will nicht unser Alles sein, aber das wird ihr nicht so einfach gelingen. Pink Floyd oder Thom Yorke könnten gewusst haben, dass es diese Musik mal so geben wird.

Die CHROMATICS waren immer mysteriös. Vom Hauch der unberührbaren Stimme getragen, schwebt man über Freiways und will nicht mehr nach Hause. In herrlich absurden und grossspurigen Sätzen spricht sie in eine Leere und berührt doch alle. Film ab. Der Nebel kommt grad.
In Begleitung oder Anleitung von vierhändigem und experimentellem Industrial-Techno schicken DE BONS EN PIERRE den Dämon ins Zentrum des Raves. Die Party wird zur Performance und provokativen Feier.
In futuristischen Rüstungen oder in Lieblingskostümen provoziert und manifestiert mit TETO PRETO das wohl politischste Kollektiv Brasiliens. Im Flutlicht des XIV spielen und performen sie in Techno, House, Jazz oder Garage-Punk à la Tropicale. Das Finale ist nur im Fussball für alle. Sie aber geben mehr als nur ein Zeichen gegen die Repression queerer Szenen.


2D

ALICE complains! Sie lieben singen in Seitenhieben. Katastrophen kommen im Refrain, der Rhythmus im Text. Und plötzlich ist er weg. Drei Stimmen, zwei Synthies und viel Fingerspitzenkomposition vom humorvollen und schrägen Frauentrio aus Genf.

Mantra Moderne könnten sie eine Stunde lang spielen. Dieser Song von KIT SEBASTIAN tönt als hätte es ihn immer gegeben. Anatolischer Samba Jazz im psychedelischen Look, er klingt als hätten sich Bonvivants ins Synthiemuseum verirrt und analoges High-End Material in Lo-Fi verwandelt.

Das indonesische Duo GABBER MODUS OPERANDI ist die Vollendung oder Summe unserer Erinnerungen. Gabber, harter Techno, Footwork, Grind, Noise, Gamelan Samples, Dangdut Koplo oder Jathilan kommen vor, und wie wenn man in Asien kocht, sie können noch soviel dazugeben, es wird immer besser.

Sie kommen ursprünglich aus der Internet-Subkultur. Aus Finnland. Leben jetzt in Berlin. Das Ziel ist bei jedem Konzert den AMNESIA SCANNER Raum zu finden. Sie sind unberechenbar und anti-anglozentrisch. Sie mögen verzerrten Reggaeton und kranken Pop. Unperfekt und nicht zu abstrakt. Ausprobiert und weiterentwickelt wird an Konzerten.


3D

Der Samstag beginnt mit ganz leisem Lärm, als Vermischung analoger und digitaler Klänge, englischer und französischer Gesänge. Eine Dreiviertelstunde Poesie von FELICIA ATKINSON am Piano über lauter Lautsprecher.

Unser Tipp, Silly Dancing. Die IDLES aus Bristol sind die Punk Bastarde der Zeit. Sie stürzen sich ins Getümmel für den Kampf gegen Ungerechtigkeit. An ihren Konzerten hat man das Gefühl man sei in einem Fussballstadion. Alle singen miteinander, und es spielt gar niemand Fussball.

Mit den Crews vom NYEGE NYEGE Label aus Uganda, gerät die Welt ausser Kontrolle. KAMPIRE & DECAY gehören zu den gründlichsten und kreativsten Figuren des Kollektivs. Sie bringen sich als Geschenk aus Ostafrika. Ihre Show BUNU BOP ist zurzeit das Beste der Partykultur in Kampala! Zusammen mit MC YALLAH & DEBMASTER oder direkt hintereinander wird unter heftigen Beats und gekonnten Raps die Post am Schluss im hohen Bogen verteilt.

Die eisige Elektronik zeigt ihre Liebe für die NDW, Ragas oder Rave. Hinter dem Spitznamen oder der Fassade DE AMBASSADE versteckt sich der Synthesizer Zauberer von Dollkraut. Mysteriöse holländische, knekelhuisige Geschichten und auch sehr schön. Klingt fast schon logisch, dass ihnen exakt derselbe Slot zufällt wie John Maus vor zwei Jahren. Unendlicher Trommeltanz für schwarzweiss gestreifte Gedanken die sich heftig schütteln.

BBYMUTHA wird Publikumsliebling ist eine Behauptung. Ihre südländische Ausstrahlung, ihre herzliche, coole und unverzierte Art sich für die Frauen in der Gesellschaft einzusetzen, hinterlässt Spuren und lässt Indie-Pop Fans ihre Angst vor dem Rap vergessen. Für junge MC’s ist die unabhängige Mutter aus Tennessee ein tolles Vorbild!


UM OLTEN

Wohin sie wollen dürfen sie nicht wissen. Die Schweizer Musikszene ist schon lange toll. Ohne das was durchbrochen werden muss. Umsteigen in alle Richtungen ist jederzeit erlaubt.

OMNI SELASSI machen es wie SCHADE gerne selber. Die zwei tollen Beispiele von DIY verleihen jedem gut aufgeräumten Clubprogramm den richtigen Duft von Psychedelik als Orden. Im KunstKrautTeppich verbinden Kabel die Geräte und Menschen mit ihren Gitarren und Synthies. Romantik und Lärm aus dem Dreirändereck um Bienne haben wir gern.

Logisch hat eine der besten Schweizer Post-Trop Bands der Welt, damals im CBGB gefehlt. Geniales Songwriting von Aris, echte Performance von Barbara, spontaner Humor, ein bisschen unheimlich gut. PETER KERNEL können es laut und leise. Exklusiv an der Kilbi auf der grossen Bühne.
STEFANIE STAUFFACHER und Constant Hiatus aka Lara Stoll und Lukas Marty performen. Das steht fest. Sie werden dem Landei beweisen wo Arty den Most reinlöst. Das wird intravenöser Punk und wem crowdsurft wird ein Portmoneeh reingesteckt. XL der Spass und extraversiert das Spektakel. Die einzige Österreich Show findet in der Schweiz statt.

Ist das romantische Abenteuer REYMOUR Liebe und Verrücktheit? Ein Duo, ein Paar aus Fribourg verreist nach Brüssel. Das Label Caf? aus Vevey veröffentlicht ihre EP «Sarabande à deux». Sarabande, oder der erotische verbotene Tanz. Sie riechen nach Bier, zeremonieren ihn, sie trauen sich, inmitten von unzüchtigen gut gelaunten Menschen.

FILM 2 ist ein Stroboskop und tagsüber eine unglaublich explosive und messerscharf klingende Noiserakete die präzise auf ein kleines Ziel zusteuert. Es radiknallt!

Da bewegt was. AMAMI und ETHYOS 440 aus Genf. Dazu gehören Begriffe wie Bongo Joe, Dancehall, Electropop, Tropicool Funk Storm, Eclair, Dj Laxeste A et la vie est en rosé.


STRAND

Der Musik zuschauen und dem Wasser zuhören. Ein Buch durchstreichen, Bilder betrachten und aus vollem Bauch raus nicht mal denken. Wir präsentieren vier Acts und eine Installation am See.

Rébétez der GÄNGSTGÄNG Sprechsänger wettert und rappt wie ein wilder im Sand hin und her. Der Bass wummert im Teich, und elektrische Sirenen und Geschepper verschwimmen.

Die Installation A KALEIDOSCOPE OF NOTHINGNESS hängt in den Bäumen und in der Aura von CÉDRIC BLASER, der seinen hypnotischen Klangmotiven Platz und Zeit lässt. Seine Musik steht für Nachhaltigkeit und Entspannung.

Das Summen der Bienen in Kombination mit den feinen Gesangsspielereien von LEONI LEONI wird zum mehrstimmigen Chor. Sarah, Lisa und Yvonne sind ALICE, logisch sagt der Kapitän des Fischerboots, und er singt mit.


A GAUCHEMAR

Quelle FRANCE! Vive La Trance. Die verrückten Franzosen bohren sich per Gitarrensound, Getrommel und ewigem Geleier in deine Seele. Durchdrehjubeln oder in die Pause verschwinden. Dazwischen gibt es nichts.

Feeling in my zone, give a dog a bone. Der Londoner Lo-Fi Rapper LORD APEX feels like being home und bestätigt unsere Leidenschaft sich im Nonsens wohlzufühlen. Oder in schwarzen Hoodies rumzuhüpfen. Der Tipp kam aus dem Milieu langer Leinen.

SVBCVLT ist ein experimentelles Clubmusik Label in Shanghai und steht für Lifestyle. Den Schlüssel hatte 33EMYBW. Sie ist der neue Star am Himmel der Keller dieser Stadt. Limb Dance nennt sie ihren kompromisslosen Spielstil. Ihre Tracks sind auf Konfrontation aus! Ihr Lebensabschnittspartner und Labelmate GOOOOOSE testet die Reichweite des Lautsprecher Orchesters.


ALLER RETOUR

On fait un peu ce que les gens ils aiment. Im Idealfall verlassen uns die Besucherinnen mit diesem Gefühl. Es kommt nicht darauf an was man spielt, sondern wie und wann sie es tun. Für eine gute Kilbi sind schlechtere Musikerinnen manchmal die Besten.

Mit Rücksicht, im Namen der Minderheit und der Hoffnung, dass es für dich grad stimmt. Wir geben alles und haben immer noch was übrig.
Wär ich doch in Düdingen geblieben.

Pour la fin des temps.

Und einem Sinalco in der Hand.

Es braucht das ganze Dorf, um ein Festival zu erziehen, und es braucht das ganze Publikum eines Festivals, um eine Band zu verstehen.
Wir bedanken uns herzlich für die Geduld und die Treue.

Epadezyt.

Daniel Fontana
Tonverein Bad Bonn

4.5.6.   6.2020